… sitzen sehr viel mehr als eine Wanze! Zumindest sitzen auf der chinesischen Mauer unzählige Schildwanzen, wie wir nun mit Sicherheit sagen können. Denn wir waren wirklich dort: auf der chinesischen Mauer, the great wall, wanli changcheng!
Was sich jetzt so einfach anhört, ist dank des chinesischen Organisationstalentes etwas “spannender” zugegangen, als erwünscht. Gestern Morgen erklärte der Hostelmanager noch umständlich, dass ein Ausflug zu einem nicht von chinesischen Touristen überschwemmten Gebiet quasi unmöglich sei, da der Bus irgendeiner Organisation irgendwo außerhalb von Beijing irgendwann losfahren könnte… viel Spaß dann bei der Planung! Zum Glück stellte sich dann aber im Laufe des Tages heraus, dass das Hostel selber einen Bus und eine Tour zu einem relativ einsamen Mauerabschnitt organisiert – Frühstück und Lunch inklusive! Abfahrt um 6.00 Uhr Morgens! Von dieser Zeit waren wir natürlich alles andere als begeistert, jedoch besänftigt, als wir erfuhren, dass die Fahrtdauer 4 Stunden beträgt: genug Zeit die fehlenden Stunden Schlaf im Bus nachzuholen, um nicht im Halbschlaf von der Mauer zu purzeln… So dachten wir!
Doch natürlich kam es anders als erwartet. Die Bussitze waren maßgeschneidert für chineische Kinder. Und als wir uns endlich in die Sitznischen gequetscht hatten, jeder seine Beine im Gang gelagert und ein McDonald’s Fresspaket auf dem Schoß, hielt der Bus schon das erste Mal, um noch mehr Menschen einzuladen. Ab dem Zeitpunkt verstanden wir, was der chinesiche Geschäftssinn eigentlich bedeutet. Kurze Zeit später drückten die Knie der am Fenster Sitzenden sich erbarmungslos in die kerzengraden Lehnen der Vorsitzer und auf nunmehr jedem Sitzplatz quetschte sich ein Tourist: der Bus war ausverkauft!
Kurz nach 10.00 Uhr erreichten wir endlich Yinshanling. Nachdem sich der Pulk etwas entzerrt hatte und wir gradewegs auf die Mauer hoch über uns zusteuerten, bot sich uns ein atemberaubender Anblick, der uns die Busfahrt vergessen ließ!
Nun hatten wir vier Stunden Zeit das größte Bauwerk der Welt zu erkunden. Der Bau der Mauer begann schon im 5. Jahrhundert v. Chr. und endete erst 1644 n. Chr. mit der Ming-Dynastie. Unvorstellbar ist der Aufwand, mit dem diese 8851,8 km lange Mauer erbaut wurde, um die Mongolen aus dem Norden abzuhalten.
Diese Dimensionen sind überwältigend, ebenso der Ausblick. Zu beiden Seiten erstrecken sich grüne Hügelketten, während sich die Mauer nie enden wollend zu beiden Seiten windet. Der Wind trägt chinesische Musik aus dem Ort herauf. Ein alter modriger Geruch voller Erinnerungen umweht die verwitterten Steine. Und das erste Mal sind wir völlig allein…
In dieser Idylle ließ es sich das Grüppchen, dem ich angehörte, nicht nehmen Tai Chi Bewegungen zu wiederholen und beim Qi Gong den Großstadtstress zu vergessen. Actionreicher verliefen hingegen einige Kletteraktionen über unpassierbare Bereiche, zwischen Gestrüpp hindruch, auf der Brüstung und sogar an der Wand hoch die Wehrtürme hinauf. Dies erfolgte in ständiger Begleitung der Wanzen, die einem um den Kopf surrten, in die Rucksäcke krochen oder auf der Lauer tanzten. Wir begegneten nur einer Truppe Chinesen, die mit Schlafsack und Isomatte ausgerüstet die Mauer wohl auf einer längeren Tour bezwangen, worum wir sie wirklich beneideten! Sie fanden unsere Bewegungen allerdings äußerst lustig, fotografierten uns und posierten selber in Tai Chi Haltung für eigene Fotos.
Nachdem unserem Forschungsdrang durch eine Mauer auf der Mauer jedoch ein jähes Ende versetzt wurde, wahrscheinlich, weil sich der folgende Teil als zu abenteuerlich herausstellen würde, kehrten wir langsam zum verabredeten Punkt zurück, wo wir zu Mittag essen konnten. Schließlich, gegen halb 8 erreichten wir dann auch wieder unser Hostel und ich glaube ich spreche für alle, wenn ich sage, dass dieser anstrengende Tag ein außergewöhnliches Erlebnis war, das man sicher nicht so schnell noch einmal erfährt!
… aber warten wir mal ab, was noch in Wudang auf uns wartet
!
Mira









danke für eure ausführlichen Berichte und super Fotos. Es macht Freude eure Reise so miterleben zu dürfen. Wir wünsche euch noch viel Spiel, Spaß und Spannung.
Schreibt bitte weiter so.
Jaja, China während der “Goldenen Woche”, da bekommt das Wort “voll” eine ganz neue Dimension.
Ich bin gespannt, ob ihr hier in dieser menschenleeren westfälischn Ebene mit der Ruhe und Einsamkeit klarkommen werdet
Ich wünsch euch noch alles Gute und viele neue Erlebnisse!
Mao Dr. Sprecht
Irgendwie passt das: Mein Sohn (3) singt zur Zeit immer “Auf der Mauer, auf der Lauer…”.
Viel Spaß noch…
Elvis